Artikel 3: Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig! Gehts noch?

Bei einer Änderung der Schließordnung des inneren Sperrwerkes sei auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung als Teil einer Planfeststellung notwendig. Dieses Argument hat man uns im letzten Schreiben des NLWKN mitgeteilt.
Dazu hat man uns umfangreiche Kriterien aufgelistet, was alles bei einer Absenkung des Schließpegels zu befürchten wäre und welche Prüfungen durchzuführen wären.

Binsen verdrängen Gras am Deichfuß und im Deichvorland. Ist das der neue Naturschutz?

Hier eine Kostprobe der angeblich zu befürchtenden Schäden:

  • Este würde stärker vom Tideverlauf abgehängt
  • Fischarten hätten keine Durchlässigkeit
  • Schierlings Wasserfenchelfenchel und Elbe-Schmiele gefährdet
  • Gefährdung von Röhrichten, Schilf, Weiden, Flussneunauge, Meerneunauge,   Lachse, Bitterling und, und, und.

Viele Punkte beziehen sich nur auf den Oberlauf und sind auf die Tideeste nicht anwendbar.
Es ist ganz deutlich. Hier wurde ein allgemeiner FFH-Text in das email hineinkopiert, um ein angebliches Horrorszenario zu zeichnen, was bei einer nur  moderaten Absenkung des Schließpegels auftreten könnte.

Teilweise vollkommen falsch, teilweise an den Haaren herbeigezogen oder maßlos übertrieben.
Wir wollen hier nicht über die unsägliche Motivation der Autoren vom NLWKN spekulieren. Diese würde nicht besonders weiterhelfen und jeder Bürger kann sich seinen eigenen Reim darauf machen.

Aber setzen wir doch die Fakten dagegen.

  • Über Jahrzehnte waren die Tidewasserstände sehr viel niedriger und sind systematisch gestiegen. Die jetzigen Zustände nicht „naturgemacht“, sondern durch viele menschliche Eingriffe in das Flusssystem von Elbe und Este.
  • Die hohen Tidewasserstände treten stark saisonal auf, nämlich im Frühjahr ab April und im Herbst ab ca. November. Im Hochsommer und Winter dagegen haben wir diese Probleme nicht zu verzeichnen. In großen Abschnitten des Jahres haben wir ohnehin niedrigere Wasserstände.
  • Auch wenn man das Sperrwerk theoretisch jeden Tag schließen würde, wäre es vom Niedrigwasser bis zum Schließpegel immer offen.  Und da die übergroße Zahl der Schließungen immer Kurzzeitschließungen sind, wäre selbst dann die Durchlässigkeit der Este voll gewährleistet. Es handelt sich eben nicht um ein geschlossenes Wehr und die Argumente des NLWKN sind hier kaum anwendbar.
  • Obendrein sind die zusätzlichen Schließzeiten, wenn man bei 710cm PN anstatt bei 720cm PN schließen würde, wirklich nur minimal. Dies im Wesentlichen deshalb, weil bei 720/730cm PN nach gültiger Schließordnung ohnehin geschlossen wird. Nur die Differenzen tragen zur Verlängerten Schließzeit bei. Im Einzelfall ist der Effekt nicht groß. Summiert man alle Minuten über das ganze Jahr auf, ist die Zahl natürlich sehr viel höher. Aber dies ist nur eine theoretische Zahl. In der Praxis wird die Fischdurchlässigkeit nicht behindert.
  • Es werden bei 710 cm PN deutlich mehr Schließvorgänge (ca. 70-80) pro Jahr im Vergleich zur jetzigen Schließordnung auftreten. Aber auch hier gelten die gleichen Argumente wie zuvor.  Es werden nur die Spitzen der Hochwasserwelle gekappt und in diesem Falle sind die Schließzeiten besonders kurz. Das ist weit davon entfernt, die Durchgängigkeit des Tidewassers und die der typischen Fischarten zu behindern.
  • Die Argumente mit dem Schierlings Wasserfenchel sind unglaublich. Im Falle der Elbvertiefung ist dies das Hauptargument gegen das immer höher auflaufende Wasser, das die typischen Siedlungsräume vernichtet. Hier wird es als Argument für das Gegenteil benutzt, nämlich eine Absenkung des Hochwasserpegels und seien es auch nur die Kappungen der Hochwasserspitzen im Frühling und Herbst. Hier erübrigt es sich, über die Unseriösität der Argumente zu schreiben.

Alles in allem ist es eine vollkommene aufgebauschte und übertriebene Diskussion des NLWKN, wenn er jetzt die Rückgängigmachung nur der überzogenen hohen Schließpegel auf 710cmPN (nur ca. 10-20cm) als Anlass für eine umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfung heranzieht.

Dabei werden immer mehr Argumente an den Haaren herbeigezogen, aufgebauscht oder sogar Falschbehauptungen in die Welt gesetzt.

Es ist vollkommen klar. Die Behörde will nicht.

 

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