Deich – Initiativen gründen Netzwerk

Vertreter der Deichbürger13, des Fördervereins Lühe-Aue e.V. und der IG-Este haben das „Netzwerk Altes Land“ gegründet.

Hochwassermanagement verbessern, Lebensraum und Kulturlandschaft schützen – diese gleichen Grundinteressen wollen die Deich-Initiativen bündeln und künftig bei übergeordneten Fragen und Forderungen, die sich an Landkreis und Landesregierung richten, gemeinsam mit einer Stimme auftreten. Vor Ort bleiben die jeweiligen Initiativen autark, um die jeweiligen lokalen typischen Probleme an Lühe und Este weiterhin konzentriert zu anzugehen und der hohen Identifikation der jeweiligen Mitglieder Rechnung zu tragen.

Auch wenn sich die Auswirkungen an Lühe und Este unterschiedlich darstellen: als Kern der Fehlentwicklungen im Alten Land sehen alle drei Organisationen das Niedersächsische Deichgesetz (NDG) an, das die Besonderheiten der einzigartigen Kulturlandschaft in keiner Weise berücksichtigt. Dringend erforderlich wäre stattdessen eine Sonderreglung zum NDG, das den Erhalt der gesamten Ortsbilder in voller Weise Rechnung trägt und die angrenzenden Kreise und Kommunen zum ganzheitlichen Hochwasserschutz verpflichtet.

Das „Netzwerk Altes Land“ soll diesen Forderungen noch mehr Gewicht verleihen und den Druck auf die politisch Verantwortlichen in Kreis und Landesregierung erhöhen. Dies soll nach Willen aller Beteiligten weiterhin in engster Abstimmung und Kooperation mit den Gemeinderäten des Alten Landes geschehen.

Hintergrund: Nach der Änderung des NDG 2004 wurden 2005 auch die Schutzdeiche des Alten Landes mit einbezogen und Hauptdeichen wie denen an der Elbe gleichgestellt. Paragraph 14 des Gesetzes verbietet jede Benutzung des Deiches außer zum Zweck der Deicherhaltung. Und Paragraph 16 legt fest: „Anlagen jeder Art dürfen in einer Entfernung bis zu 50 Meter von der landseitigen Grenze des Deiches nicht errichtet oder wesentlich verändert werden.“ Zwar lässt das Gesetz in beiden Paragraphen (widerrufbare) Ausnahmegenehmigungen durch die zuständige Deichbehörde zu, das letzte Wort hat aber der Deichverband als Träger der Deicherhaltung. Diesen Ermessensspielraum blendet vor allem der Deichverband der zweiten Meile weitgehend aus – und trifft immer häufiger nicht nachvollziehbare Entscheidungen. Folge: Anlieger weiter Teile des Alten Landes haben keine Rechtssicherheit mehr – und die historischen ortstypischen Dorfbilder werden zerstört.

Diese Zerstörung wird noch verstärkt durch Bestrebungen hochwassertaugliche Schutzdeiche auch in den Ortslagen zu erzwingen. Denn an beiden Flüssen werden Hochwasserschutzplanungen in erster Linie abschnittsweise ausgeführt, ohne den gesamten Flussverlauf in Betracht zu ziehen. Die Leidtragenden sind die Bewohner an den Unterläufen beider Flüsse, denn die unteren Abschnitte der Flüsse werden als Hochwasserpolder angesehen. In solchen Planungen liegt neben der Hochwassergefahr in den Dörfern an Este und Lühe eben auch ein erhebliches Gefährdungspotential für die einmalige Situation des gesamten Alten Landes.

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