Der Buxtehuder Planfeststellungsantrag: Solider Antrag? Fehlerhaft? Durch und durch falsch?

Oder sogar eine Täuschung der Öffentlichkeit?
Urteilen Sie am besten selbst!
Wir wollen jetzt gar nicht über vollgelaufene Keller und Wohnungen reden, nicht über die Rechte der Unterlieger und nicht über drohende Deichumbauten.
Wir fragen uns stattdessen diesmal:
Wie hat Buxtehude seine Innenstadtlösung begründet? Wie hat sie es geschafft, die sogenannte Innenstadtlösung als angeblich einzig realistische Alternative darzustellen, auch wenn kaum einer dieser Argumentation Glauben schenkt? Wir haben schon immer kritisiert – sogar auf einem offiziellen Pressegespräch – dass das Zahlenwerk hingerechnet ist und viele Fakten hingedreht sind. Das hat sich voll und ganz bestätigt, wenn auch teils in anderer Weise.
Also schauen wir uns einmal den Planfeststellungsantrag an. Dieser Antrag ist ein ganz besonderes Werk, um es neutral auszudrücken.
Hier einige Fakten. Wir müssen dazu doch etwas in die Technik gehen. Wir wollen versuchen, komplizierte Zusammenhänge einfach zu erklären, damit sie eine Vorstellung bekommen, welche Art von Fehler in den Planunterlagen enthalten sind.
Es fängt mit den Grundlagen an: Die Basis der Planung sind die Hochwassermengen der berechneten Lastfälle 1 und 2. Dabei ist Lastfall 2 wichtig für die Hochwasserspeicherung in der Untereste bei geschlossenem Sperrwerk und der Lastfall 1 für die Größe einer Hochwasserrückhaltung im Oberlauf.

Fangen wir mit Lastfall 2 an:
Ein Hochwasser aus dem Oberlauf(HQ5) der Este trifft auf ein geschlossenes Sperrwerk über 36 Stunden. Die Festlegung des Lastfalles soll den maximalen Hochwasseraufstau angeben. Also muss der Abschnitt um den Scheitel der Hochwasserwelle – dort wo die höchsten Wassermengen die Este hinunterströmen- auf das geschlossene Sperrwerk treffen. Das hat uns H. Schuermann (NLWKN) Ende 2014 sogar telefonisch ausführlich dargelegt.
Aber genau das hat man nicht gemacht. Die Hochwasserwelle wird so weit nach hinten geschoben, dass kurz nach dem Scheitel die 36 Stunden bereits abgelaufen sind und das Sperrwerk wieder aufmacht. Eine erhebliche Hochwassermenge kann schlicht und einfach wieder durch das Sperrwerk in die Elbe hinausströmen. Das ist doch nicht der Sinn dieses Lastfalles! Was ist das für eine Willkürlichkeit in der Rechnung? Rechnet man wirklich die kritische Überlagerung, ergeben sich 700000 m3 zusätzliche Speichermenge an Hochwasser. Bei 12km Länge der Untereste und 150m Breite zwischen den Deichkronenkanten ergibt sich eine zusätzliche Pegelhöhe von 38cm, sodass der Gesamtpegel bei mindestens 3,50 m liegt! Das hört sich schon ganz anders an.
Jetzt zum Lastfall 1:
Es wird folgende Berechnung dargelegt: Aus dem Oberlauf der Este kommen für ein hundertjähriges
Regenereignis 55,4 m3 pro Sekunde an. In 2002 sollen angeblich bei bordvoller Viver 29m3 pro Sekunde hindurchgeflossen sein. Mehr kann nicht hindurchfließen, wenn die Viver das Hochwasser schadlos durch Buxtehude leiten soll. Die Differenz muss also rückgehalten werden, um es danach schadlos ableiten zu können.
Diese Logik ist vollkommen richtig, nur gibt der NLWKN für den Abfluss in Buxtehude offiziell 39,6 m3 pro Sekunde an!!! Die Zahl im BWS – Gutachten stimmt schlicht und einfach nicht!!! Wenn man mit einer abgeminderten Zahl in Buxtehude rechnen wollte, muss man auch die obere Zahl entsprechend korrigieren. Hier hat man in der Differenz Zahlen miteinander kombiniert, die man gar nicht kombinieren darf. Hinzu kommt noch, dass man für die ganze Dauer der Hochwasserwelle 162 Stunden anstatt richtige 110 Stunden angesetzt hat.
Ganz egal wie man rechnet: für die Differenz, die zurückgehalten werden muss, ergibt sich ein viel geringeres Volumen. Insgesamt ergeben sich nur 2 Mio m3 anstatt 4 Mio m3 für eine Rückhaltung.
Vermutlich wird man jetzt mit Zusatzgutachten die verdrehte Datenübertragung rechtfertigen wollen auch wenn man damit gegen seine eigenen Bemessungsgrundlagen argumentieren muss.
Wir wollen nicht weiter in die Tiefe gehen, sondern nur konstatieren, dass dieses nicht möglich sein wird. Wie man auch ändert und rechnet, man wird sich immer weiter in seiner eigenen Logik verfangen.
Aber was für ein Fehler!!! Nur durch falsche Zahlenkombination verdoppelt sich das Rückhaltevolumen für den Oberlauf. Wenn sich schon die Hochwassermenge halbiert, ist der Effekt für den Damm noch viel größer. Denn nicht nur die Dammhöhe, sondern auch die Dammbreite wird viel geringer ausfallen und damit auch das Volumen des Erdkörpers. Die Kosten eines Dammes werden erheblich niedriger, als die angegeben 7,7, Mio €.
Die Marschentwässerung wird geopfert:
Die Marsch kann ohne Entwässerung nicht existieren. Entlang der Este haben wir eine Schöpfwerksleistung von ca. 13 m3 pro Sekunde, die auf 15m3 pro Sekunde ausgebaut wird.
Und dieses gerade deshalb, um für Katastrophensituationen gewappnet zu sein. Es ist zwingend notwendig, dafür den benötigten Stauraum in der Este mit zu berücksichtigen.
Genau das passiert nicht!!! Anstatt zu fragen, wieviel Wassermengen in einem solchen Fall geschöpft werden müssen, wird nur die vorhandene Schöpfleistung betrachtet. Am Anfang der 36 Stunden geht man davon aus, dass die Gräben weitgehend leer sind, und deshalb die Schöpfwerke gar nicht anspringen. Das ist falsch: Die Hochwasserwelle ist künstlich nach hinten geschoben worden (siehe LF2). Es hat bereits geregnet und die Gräben sind voll!
Füllen sich dann im Planfeststellungsantrag die Gräben und wird endlich gepumpt, dann muss man inzwischen gegen den hohen Wasserstand in der Este drücken, was die Pumpleistung erheblich absenkt. So ergibt sich eine vollkommen unsinnige Ganglinie, die nur ca. gut ein Drittel der 15m3 pro Sekunde berücksichtigt. Dieser „Kunstgriff“ reduziert das berücksichtigte Stauvolumen in der Untereste für die Marschentwässerung auf ein Minimum.
Würde die Pumpleistung aufgrund zu geringer Pumpleistung nicht ausreichen, würde der Verband zwangsweise technisch nachrüsten, anstatt das Land dauerhaft zu gefährden.
Würden wir über 36 Stunden weitere 5m3 pro Sekunde im Mittel als zusätzliche Schöpfleistung annehmen – und das ist wirklich keine extreme Annahme – müssten weitere 650000m3 in der Este gespeichert werden und die Pegelhöhe in der Este erreicht dann fast 4 m ü.NN.
Das wird nicht passieren. Vorher werden die Schöpfwerke abgestellt, um den sicheren Deichbruch zu vermeiden.
Die Entwässerungsverbändebezahlen den Preis für dieses Hochwasserschutzkonzept. Deshalb wird das Hinterland an der Este genauso hart betroffen sein, wie die Anlieger auf dem Deich.
Weitere Fehler:
– Die Höhendaten von Heimbruch sind falsch übertragen worden. Man hat Heimbruch 2 m „tiefergelegt“, was natürlich einen viel höheren Sicherungsdamm erfordert. Nimmt man die reduzierten Menge von 2 Mio € und die richtige Höhe, ist fast kein Damm mehr notwendig. Erst recht nicht, wenn man aus dem KLEE-Projekt auch Rückhaltungen in der Fläche berücksichtigt.
– Alle Kostenangaben sind nicht begründet. Alles nur „hingeschriebene Zahlen“ ohne ein einziges Argument zu bringen.
– Der Brückenstau in Buxtehude selbst komplett unterschätzt.
– Keine Unterhaltungskosten verglichen
– Mündungsschöpfwerk überhaupt nicht realistisch behandelt.

Wir haben nur die gröbsten Fehler im Planfeststellungsantrag Buxtehudes benannt. Es sind nicht nur „Interpretationsunterschiede“ oder andere „Wertungen“. Es sind methodisch falsche Herangehensweisen, Auslassungen und fehlerhafte Datenübertragungen, die das Gutachten und den Antrag so stark disqualifizieren.
Aus der langen Liste der Fehler gibt es kein einziges Beispiel, dass eine Rückhaltelösung begünstigt hätte. Alle Fehler gehen nur in die Richtung, die sogenannte Innenstadtlösung zu bevorteilen und eine Rückhaltelösung zu benachteiligen.
Und das macht den ganzen Antrag so extrem tendenziös und unsolide.
Da muss man sich fragen, wie alle diese Fehler passieren können, wenn doch der NLWKN in Stade das BWS-Gutachten so intensiv betreut hat? Wurden alle diese Fehler „übersehen“? Entweder hat man alle diese Dinge tatsächlich übersehen oder man war selbst Bestandteil eines großangelegten „Hinrechnens“ und hat geglaubt, wenn man diese den „Fehler“ tief versteckt, werden es die dummen Unterlieger schon nicht bemerken.
Wir wissen es letztlich nicht und da mag sich jeder selbst seine eigene Meinung bilden.
Peinlich ist der Vorgang für den NLWKN-Betriebsstelle Stade allemal.
Wir können uns nicht vorstellen, dass die Zulassungsbehörde in Lüneburg einen solchen Antrag durchwinkt.

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