Der Buxtehuder Wettlauf…

von Hildegard von Gilgenheimb und Rainer Podbielski

Wir haben in den letzten 2 Wochen mehrere Gespräche mit Buxtehuder Vertretern geführt, um unsere Position der IG-Este zu erklären und um die Gegenargumente anzuhören.

Gesprochen haben wir mit Fr. Oldenburg-Schmidt und H. Nyveld, mit der CDU- und der SPD-Fraktion. Über unsere Eindrücke aus diesen Gesprächen wollen wir in einem kurzen Rückblick berichten.

Generell muss man sagen, dass es kaum inhaltliche Argumente gab – weder technischer noch  juristischer Art. Am ehesten war es noch in der Runde mit Fr. Oldenburg- Schmidt und H. Nyfeld der Fall. Zum Beispiel wurde dort behauptet,  ein Damm im Estetal würde nur 50% eines 10-jährigen Hochwassers abdecken. Wir wissen allerdings, dass ein Damm ein 100-jähriges Hochwasser rückhalten kann. Der technische Vergleich der Lastfälle  ist schwierig und hängt von vielen Annahmen ab.  Da kann man nur sagen: „ Bitte legt uns diese Rechnung bis zum letzten Komma, bis zur letzten Programmierzeile offen.“  Und grundsätzlich gilt: Selbst wenn ein solcher Damm große Anteile abdeckt, aber nicht 100%, ist es doch der entscheidende Beitrag. Andere Dinge müssen hinzukommen, wie z.B. die Renaturierung der Obereste, vielleicht auch noch mehr. Das spricht doch nicht gegen eine zentrale Rückhaltung im Estetal. Die meisten hochwasserbedrohten  Städte wären froh, wenn sie eine solche Voraussetzung hätten. Dann noch das Argument der SPD: KLEE  würde Rückhaltedämme an der Este ablehnen. KLEE hat noch nicht einmal richtig angefangen und schon werden Ergebnisse vorweggenommen.  Wir kennen sogar das Argument dafür: Dämme könnten brechen. Tolle Wissenschaft. Wir hören ja auch täglich von Dammbrüchen. Seltsam nur, dass schon viele hundert Dämme gebaut wurden und gerade zur Zeit besonders viele Rückhaltebecken errichtet werden.

Damit hatte sich die technische Diskussion erschöpft. Danach gab es nur noch offene oder unterschwellige Vorwürfe:

– Warum kommt ihr erst jetzt mit euren Argumenten?

– Warum kümmert sich nicht „euer“ Deichverband um euch?

– Wir müssen uns um Buxtehude kümmern und können nicht außerhalb des Stadtgebietes planen.

– Ihr müsst euch im Alten Land selber helfen. Sprecht mit eurer Gemeinde und baut einen eigenen Polder, usw.

Diese Argumente wurden in unterschiedlichster Variation schon fast gebetsmühlenartig vorgetragen. Dazu einige unsachliche Bemerkungen, wie z.B.: Was? Sie sind 1979 noch nach Estebrügge gezogen? (mit dem unausgesprochen Motto: Wie dumm kann man nur sein). Oder der Zwischenruf aus einer Fraktion: Abreißen (damit  waren unsere Häuser gemeint). Allerdings darf man diesen Stil nicht verallgemeinern. Trotz der hitzigen Debatte haben sich fast alle um Sachlichkeit bemüht. Aber dieser Bericht zeigt das Niveau der Diskussion. Den einen Teil der Argumente kann man zusammenfassen nach dem Motto (obwohl es so nicht ausgesprochen wurde): Ihr seid doch selber schuld. Über die technische oder juristische Bedeutung solcher Argumente braucht man nichts zu sagen. Sie sind geradezu unbedeutend.  Jede Partei, gerade der Unteranrainer, muss entsprechend berücksichtigt werden. Keine Maßnahme darf zu Lasten einer Partei gehen. Die Gemeinde Jork ist noch nicht einmal in die Planungen eingebunden. Damit soll nur verschleiert werden, dass die Planer total versagt haben und wieder mal den Politikern das Dilemma hinterlassen. Da sollte man lieber ruhig sein, und keine Vorwürfe nach außen erheben.

Und das zweite Argument – wir müssten uns um uns kümmern – verstößt geradezu gegen das Wasserhaushaltgesetz des Bundes. Dieses Argument kann immer jeder entlang eines Flussabschnittes beanspruchen, und für sich Deiche erhöhen und damit das Problem an den nächsten Anlieger weiterreichen. Gerade diese unselige Abschnittsplanung will das Wasserhaushaltsgesetz und die europäische Richtlinie verhindern. Die Gesetze sind hier so klar formuliert, dass ein Missverständnis ausgeschlossen ist. Nein, die Buxtehuder haben sich verirrt und ihre Argumente werden entsprechend dürftig. Gerade einen Fluss wie die Este kann man nur durch ganzheitlichen Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung in den Griff bekommen. Wir fordern: Hochwasserschutz für alle.

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