Ganz schön kompliziert!!

von Rainer Podbielski

Erinnern Sie sich noch? In unserem letzten Artikel über die Informationsrunde mit H. Roesberg haben wir uns sehr irritiert gezeigt, dass nur die Zahl HQ5 und ein Abfluss von 17m3/Sek. rüberkam. Alles andere blieb nebelhaft.
Wir hatten uns zur Aufgabe gesetzt, diese Hintergründe aufzuklären.
Dazu dieser Artikel. Unsere Stellungnahme dazu in Kürze in einem weiteren Artikel.
Vorab sei gesagt, dass sich der NLWKN in Stade in 3 sehr langen Telefongesprächen bemüht hat, uns über die fachlichen Hintergründe mit großer Offenheit zu informieren. Obwohl wir mit Methode und Aussagen dieser Vorgehensweise nicht übereinstimmen, möchten wir uns dafür ausdrücklich bedanken. In der Tat ist die von einem Ingenieurbüro durchgeführte Berechnung so kompliziert, dass man der Landkreis diese wirklich nicht auf einem kurzen Informationstreffen erläutern konnte.

Das folgende ist schwere Kost für einen Nichttechniker. Aber wir müssen diese neuen Fakten einmal grundlegend erläutern.

Hier erst einmal nur die Fakten:
– Gemäß WHG §78 muss zur Berechnung des Hochwassergeschehens ein hundertjähriges Ereignis (HQ100) angenommen werden.
– Für den Lastfall 1 ( Hochwasser aus dem Oberlauf bei geöffnetem Sperrwerk) wird dies auch weiterhin so gemacht. Hier wird – so wie bisher –
ein Abfluss von 55 m3/Sek über ca. gut 5 Tagen angenommen. Dieser Fall bleibt ausschlaggebend für die Auslegung der Maßnahmen in
Buxtehude bis ca. Höhe Poststraße.
– Ab Poststraße wird weiterhin der Lastfall 2 angenommen, der auch ein HQ100-Ereignis mit einem über 3 Sperrtiden geschlossenen
Sperrwerk annimmt. Hier liegt eine Kombinationswahrscheinlichkeit zwischen Sperrwerksschließung und Hochwasserzufluss vor. Hamburg
konnte statistisch am Bespiel der Dove – Elbe belegen, dass eine Sperrwerksschließung über 3 Sperrtiden einem 20-jährigem Ereignis (HQ20)
entspricht. Dort brauchte man nur ein 5-jähriges Hochwasser (HQ5) annehmen, um in Kombination ein HQ100 zu erreichen. BSU und
NLWKN haben sich geeinigt, dieses für die Este analog zu betrachten.
– Zur Berechnung der Wassermengen wurde ein Auftrag an das Ingenierbüro BWS vergeben und die Grundlagen für die Brerechnung mit dem
NLWKN abgesprochen. Ein Abschlussbericht liegt noch nicht vor.
– Im Gegensatz zum bisherigen Gutachten von Prof. Zielke wurde ein Scheitelwert für den Wasserabfluss von 17m3/sek angenommen.
Gleichzeitig wurde der Zeitverlauf – die sogenannte Ganglinie des Hochwassers – auf 72 Stunden erweitert und dann nochmal um den Faktor
1,6 gestreckt, sodass sich auch hier ein fast 5-tägiges Ereignis ergibt. Dieses wird mit äußert langen „Landregenereignissen“ begründet.
– Dieses ist deutlich länger wie 3 Sperrtiden von 36 Stunden. Diese 36 Stunden Sperrwerksschließung werden dann um den maximalen
Scheitelwert angenommen.
– Für die Berechnung der Schöpfwerke wurden alle Pumpen mit ihren speziellen Kennlinien berücksichtigt. Diese wurden gemittelt, aber die
Abhängigkeit von der Höhe des Estepegels berücksichticht. So wurden rechnerisch – je nach Pegelhöhe – kontinuierlich
8 bis 13,5 m3/Sek in die Este gepumpt.
– In Buxtehude liegt der tiefste Punkt am Schützenplatz zwischen 2,80m und 2,90m, über den das Wasser abfließen würde.
– Aus dieser Berechnung ergibt sich dann ohne Mindeiche in Buxtehude eine Pegelhöhe in der Este von 3,14m.
Mit Minideichen liegt eine Höhe von 3,22m vor. Die Erhöhung des Pegels für die Unterlieger liegt also bei 9 cm.

Soweit zu den Fakten.
Wir selbst haben ebenfalls ein vereinfachtes Rechenmodell entworfen. Diese HW-Pegel, speziell die von 3,22m können wir rechnerisch nachvollziehen. Das Problem sind nicht nicht die Rechenmethoden, sondern die Annahmen, die man in das Rechenmodell hineinsteckt.
Wir halten diese Vorgehensweise aus vielen Gründen für äußerst problematisch.
Dazu werden wir in Kürze einen Artikel veröffentlichen.

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