Ihr müsst Euch selber helfen!

Dieses Argument gegen eine Absenkung des Schließpegels am inneren Estesperrwerk tritt meistens im Zusammenhang mit den Argumenten auf, wir würden ja in einem Überschwemmungsgebiet wohnen oder im Zusammenhang mit der „Rechtsbelehrung“, wir hätten keinen Anspruch auf Hilfe. Wir haben bereits in dieser kleinen Artikelserie dazu Stellung genommen.

Helft Euch selber!!

Dieses Gegenargument ist eigentlich gar keines. Es ist nur die Umschreibung für die Aussage:
Wir wollen nicht helfen!!

Wir haben bereits ausführlich dargelegt, dass das „Nichtstun“ – also die Verweigerung von Hilfe – eigentlich ein höchst aktiver Akt ist, um die Häuser und Grundstücke dem immer weiter steigenden Tidehochwasser auszusetzen. Außerdem wurden die „Überschwemmungsgebiete“ ausgewiesen,  um Gebiete zu kennzeichnen, in denen starkregenbedingte Überschwemmungen stattfinden können, auch wenn es nicht in jeder Verfügung ausdrücklich erwähnt ist. Gerade am WHG von 2009 wird dieses deutlich. Und historisch gesehen wurden in den 70er Jahren – parallel mit der Überschwemmungsgebietsausweisung – vom Deichverband die Deiche ca. 0,5-1 m abgetragen, mit dem Argument, man hätte jetzt ja ein Sperrwerk an der Estemündung.
Auf keinen Fall war geplant, mit dem Verweis auf das Überschwemmungsgebiet, die Siedlungsgebiete entlang der Este  regelmäßig „bewusst“ durch Nichtanpassung der Schließordnung dem Hochwasser auszusetzen.

Die ganze Begründung des NLWKN steht also auf sehr schwachen Füßen.

Und das führt uns zur Frage der politischen und moralischen Verantwortung und Verpflichtung von Politik und Behörden im Zuge des Klimawandels und der Flussregulierungen. Die Bürger in den betroffenen Bereichen trifft die geringste Schuld. Sie haben weder Flussvertiefungen, noch große Baumaßnahmen (Mühlenberger Loch), noch die Verschlickung noch großflächige Vernichtung von Stauraumfläche zu verantworten.
Sie sind Leidtragende dieser Entwicklung und nicht Täter.

Auch die Behörden sind nur teilweise direkt verantwortlich, denn nicht jede Fehlentwicklung wurde von Ihnen selbst betrieben und verantwortet.

Aber Sie sind verantwortlich, wenn Anpassung im Küstenbereich notwendig sind, um Schaden von Ihren Bürgern abzuhalten und sich gegen den Klimawandel zu schützen.
Dazu gehört neben dem Deichbau entlang von Nordsee und Elbe auch die wirkungsvolle Absperrung des Hinterlandes durch die Mündungssperrwerke.

Der NLWKN ist komplett fehlgeleitet, wenn er diese Aufgabe jetzt nur den Privatleuten in die Schuhe schieben will.

Wie soll man sich selber helfen, wenn das Ufer abbricht oder das Wasser am Haus steht.

Dabei sprechen wir uns nicht dagegen aus, dass zusätzlich zu einer generellen Anpassung der Schließordnung in Einzelfällen auch noch private
Leistungen hinzukommen müssen. Aber der NLWKN kann doch nicht, nachdem er den Schließpegel bis über das vertretbare Maß hianaus angehoben hat, die Auswirkungen jetzt den Bürgern in die Schuhe schieben. Einfach schlechter Stil.
Das ist keine politische Verantwortung und moralisch unakzeptabel.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.