Ihr wohnt in einem Überschwemmungsgebiet ………

In dieser Artikelserie setzen wir uns mit den Argumenten derjenigen auseinander, die die Schließordnung des inneren Sperrwerkes nicht anpassen wollen und die Anlieger im Regen stehen lassen wollen.
Ihr Gegenargument lautet:
„Ihr wohnt in einem Überschwemmungsgebiet und habt kein Anrecht auf Hilfe.“ Soll ins Deutsche übersetzt heißen: „Da ist es eben so“ oder „selber schuld.“

Wasser läuft aufs Grundstück der Feuerwehr

Natürlich wohnen wir in einem Überschwemmungsgebiet. Die besondere historisch gewachsene Siedlungsstruktur im Alten Land war und ist immer auf Schutzmaßnahmen angewiesen. Auch das Sperrwerk in Cranz ist zum Schutz der Siedlungen entlang der Este errichtet worden. Dieser Schutz kann bei den jetzt beobachteten steigenden Wasserständen nur durch entsprechende Anpassung der Schließzeiten aufrechterhalten werden. Es mag sein, dass wir kein Recht auf Maßnahmen haben. Die Sache ist juristisch gesehen wirklich sehr schwierig. Auf der einen Seite haben Bewohner in Überschwemmungsgebieten keinen juristischen Anspruch auf Hilfe. Aber wie ist es, wenn es extra ein Sperrwerk zur Wasserstandsregulierung gibt? Und wenn trotz Häuserschäden, Überflutungen und Uferabbrüchen jede Hilfsmaßnahme unterlassen wird, wobei doch eine abstellende Maßnahme sofort und ohne große Kosten möglich wäre?
Und wir haben es hier auch nicht mit selten Überschwemmungsereignissen zu tun, sondern mit dem Normalfall des täglichen Hochwasserauflaufs. Es widerspricht auf jeden Fall dem allgemein anerkannten Bestandsschutz der Dörfer an der Este, wenn das Wasser im Regelfall auf Grundstücke läuft, manchmal sogar Häuser und Keller erreicht, Uferkanten abbrechen lässt und Land in die Este spült.
Es ist keine juristische sondern eine politische Frage, ob man die Siedlungen an der Este als Kulturgut schützen will oder den steigenden Fluten preisgibt.
Und so ist die einzig wichtige Frage:

Will man helfen oder will man nicht helfen?
Im Falle Sicherung von Überschwemmungsgebieten im Buxtehuder Stadtgebiet ist keine auf die Idee gekommen, hier eine Hilfe oder Maßnahme zu verweigern – auch wir nicht. Natürlich musste der Stadt geholfen werden, auch wenn wir über die Art der Maßnahmen unterschiedlicher Ansicht waren. In anderen Fällen, dort wo die Überschwemmung in Naturräumen stattfindet, wird z.B. extra Überschwemmungsgebiete zum Zwecke der Rückhaltung ausgewiesen, wie zum Beispiel im Jahre 2012 oberhalb Buxtehudes.

Warum also von den verantwortlichen Stellen diese juristische Diskussion?

Noch einmal. Die Frage ist:

Will man die Anlieger der Este, die seit Jahrzehnten einen Anstieg der Este sehen als Folge der Veränderungen in der Elbe, vor den negativen Folgen schützen oder will man es nicht?
Die Anlieger haben weder die letzte Elbvertiefung zu verantworten, noch das Verschlicken des Mühlenberger Loches und der Estemündung noch die Wegnahme von Stauraum im Deichvorland.
Die Bürger sind eigentlich ganz unverschuldet in diese Situation gekommen.
Will man helfen oder will man nicht helfen.

Das sind die Fragen, die eigentlich auf die politische Verantwortung abzielen.

Wie wohltuend sind da die Äußerungen der politischen Vertreter im Regionalausschusses des Kreistages, die einfach nur gesagt haben.
Das Thema bitte nicht so (juristisch) hoch hängen! Wenn man helfen kann, dann soll man helfen!

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