Kommentar zum Artikel im Buxtehuder Tageblatt vom 6.11.2013

von Rainer Podbielski

Das Buxtehuder Tageblatt (den Artikel findet Ihr hier) berichtet über die Pläne und Vorgehensweise des NLWKN und des Landkreises Stades. Etwa ein Drittel der Innenstadtfläche soll deshalb mit einem Bau- und weitgehendem Veränderungsverbot belegt werden. Dieses basiert auf den neuesten Auswertungen des NLWKN, das sich im Wesentlichen auf aktuelle Höhenmessungen eines Spezialflugzeuges bezieht, das unsere Region für dieses Vermessungsprojekt überflogen hat.

Und da stellt sich natürlich die Frage, wie wir als Interessengemeinschaft Este dazu stehen. Uns hat weder das Ergebnis noch dessen Bekanntgabe an die Presse überrascht. Außerdem sind wir der Ansicht, dass dieses aber auch gar nichts an der strittigen Situation zum Hochwasserschutz ändert. Aber wir sehen klar die Konzentration des NLWKN und des Landkreises auf einen politischen Durchsetzungs- und Konfrontationskurs, anstatt hier die Belange aller Esteanrainer  jetzt in der Planung zu berücksichtigen.

Zu den Fakten selbst: Die potentiellen Überflutungsflächen in Buxtehude sind größer als gedacht. Nun gut – das glauben wir unbesehen. Wir als Anrainer der Untereste sind erst recht mit einer kompletten planmäßigen Überflutung als Hochwasserpolder konfrontiert. Das ist genauso Fakt. Genauso, wie wir einen Hochwasserschutz für die Buxtehuder Bürger wünschen, fordern wir für dasselbe auch für uns. Für die Verhängung des Bauverbotes gibt es auch Ermessensspielräume. Das Wasserhaushaltsgesetz will zu Recht verhindern, dass neue Siedlungen in Überflutungsräumen entstehen – so wie einst in Horneburg – die  dann sofort bei Hochwassersituationen absaufen. Hier kann man mit Bauverboten die entsprechenden Gemeinden in die Pflicht nehmen. Die Entwicklung ganzer Innenstädte pauschal zu unterbinden  ist eine andere Sache. Hier geht es anscheinend nicht nur um die Sachentscheidung, sondern darum, politischen Druck auf die Stadt Buxtehude und alle betroffenen Esteanrainer auszuüben. Dabei wird geflissentlich verschwiegen, dass die Minideiche und Wandkonstruktionen ebenfalls Bauverbote in einem 50 Meter breiten Gürtel beiderseits der Este nach sich ziehen werden. Nein, hier wird nicht nach der technisch besten und effektivsten Lösung gesucht, die sowohl Buxtehude als auch alle Esteanrainer schützt. Hier wird einseitige Politik zu Lasten aller Esteanrainer gemacht. Und wozu das Ganze? Welches Interesse treibt die Verantwortlichen in Stade und Buxtehude, so eklatant gegen Bürgerinteressen zu verstoßen – ja, sogar das Absaufen ganzer Estedörfer im Alten Land in Kauf zu nehmen? Nur die finanziellen Fehlanreize aus den Küstenschutzmitteln? Oder die Unfähigkeit, einen Querdamm mit Rückhaltung im Estetal zu planen? Oder Eitelkeit der Behörden, die es vielleicht immer besser wissen wollen? Dabei ist ihnen, wie sie selbst zugeben, die Situation an der Untereste vollkommen entgangen? Wir wissen es nicht. Es ist unerfindlich, zumal bereits extrem viele Rückhaltebecken in Deutschland  gebaut wurden und gerade jetzt immer mehr Hochwasserrückhaltungen in Planung sind. Warum nicht hier bei uns im Estetal? Warum wird die ehemals offizielle amtliche Lösung schlecht gerechnet und verworfen?

Da mag sich jeder seine eigene Meinung zu bilden. Ganz egal, welche Motivation wir vermuten – es ist immer ein Armutszeugnis des NLWKN und der Politik, wenn man zum Schutz der einer Gruppe eine andere erst recht absaufen lässt – und das höchstwahrscheinlich sogar rechtswidrig.

 

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