Maßnahmen die nach hinten losgingen….

Dr. Gönnert von der BI – Este stellte uns freundlicherweise einen Katalog von Maßnahmen zur Verfügung, der eine aufschlussreiche Dokumentation darstellt, inwiefern sich der Hochwasserschutz an der Este in den letzten Jahren verschlechtert hat. Wir veröffentlichen ihn hier gerne:

Maßnahmen, die den Hochwasserschutz an der Este von Buxtehude bis Cranz verschlechtert haben.

von Dr. Th. Gönnert (BI „Este“)

– Flussbegradigung der Este in den 20er Jahren, Verkürzung der Este um 9 km auf ca. 45 km, allein im Estetal südlich Buxtehude um ca. 3 km. Dadurch erhebliche Erhöhung der Fließgeschwindig¬keit und starker Sandabtrieb, z.Zt. ca. 5000 m3/Jahr, der in Buxtehude zu einem stärkeren Aufstau von Hochwasser führt.

– Vergrößerung des Graniniwehrs und des Fließquerschnitts der Este in Buxtehude im Zuge der Realisierung des Generalplans Este Ende der 50er Jahre, ohne den letzten Schritt dieses Plans um¬zusetzen, den Rückhaltedamm im Estetal, der auch mit dem mangelhaften Zustand der Estedeiche im Unterlauf begründet wurde. Dadurch strömt bei Hochwasser ein größeres Wasservolumen pro Zeiteinheit in den Unterlauf.

– Bau der Hansestraße und Bebauung der Brunckhorstschen Wiesen in Buxtehude mit Wohnhäusern Anfang der 80er Jahre. Dadurch kann die Este bei Hochwasser nicht mehr über die Brunckhorstschen Wiesen ins Rübker Moor abfließen, wie es seit alters her der Fall war. Die Ausuferung der Este trat auf Höhe des Schützenplatzes am Ostufer vor Anlage des Uferweges wahrscheinlich ab etwa 2,8 m NN ein, eventuell auch etwas niedriger. Mit dem Zwingerwehr und dem Moortorwehr hätte bei Schließung des inneren Sperrwerks in Cranz dann erreicht werden können, dass der Wasserstand im Unterlauf nicht bedenklich ansteigt.

– Bebauung von Flächen, die als Überschwemmungsgebiete in der Stadt hätten dienen können:

  • Stadtvillen am Hafen im bereits festgesetzten Überschwemmungsgebiet Untere Este.
  • Aufhöhung und Bebauung des ehemaligen Graninigeländes.
  • Geplante Eindeichung des Schützenplatzes. Die Rückhaltekapazität dieser Flächen ist allerdings sehr gering.

– Der Bullenbruch-Polder bei Horneburg soll nach einer Flutung auch über das Schöpfwerk Neu¬land entleert werden. Wenn die Lühe kein Wasser mehr aufnehmen kann, könnte sich auch dadurch die Hochwassersituation im Unterlauf der Este verschärfen. Das gilt auch für Starkregenereignisse im Alten Land. Rückhaltemaßnahmen im Oberlauf der Lühe/Aue sind wie bei der Este bisher nicht vorgesehen.

– Die Schließung mehrerer Durchflüsse der Este durch Buxtehude, vor allem des Ostvivers, könnte als Entlastung für den Unterlauf gewertet werden, allerdings würden dadurch verursachte Ausuferungen der Este mit den ge-planten Schutzanlagen in der Innenstadt verhindert.

– Mit Errichtung der geplanten Schutzanlagen kann der für den Unterlauf errechnete Wasserstand von 3,5 m NN plus Wellengang beim Lastfall 2 eintreten. Diese weitere Verschärfung der Hochwassersituation wäre für die Unterlieger an der Este ein Debakel. Ohne diese Anlagen könnte der Wasserstand  ca. 2,8 m NN nicht über-schreiten. Buxtehude braucht jedoch den Lastfall 2 mit dem Aufstau von 3,5 m NN aus dem Unterlauf, da er in der Stadt zu Ausuferungen führen würde, für die dann Schutzmaßnahmen nötig sind. Der LF 2 wird als Sturm-flutereignis interpretiert, obwohl er ohne HQ10-Starkregen aus dem Oberlauf gar nicht zustande kommt, die Sperrwerke in Cranz sind ja dabei geschlossen! Diese Wertung als Sturmflutereignis soll dann das Argument da-für liefern, dass es sich bei den geplanten Schutzanlagen in der Buxtehuder Innenstadt um Maßnahmen im Be-reich des Küstenschutzes handelt, welche von der Gemeinschaftsaufgabe Küstenschutz des Bundes und der Län-der (GAK) zu 100% bezahlt werden. Deswegen werden alle kurzfristig möglichen Alternativen, die den Aufstau im Unterlauf vermindern würden, mit dürftigen Argumenten abgelehnt (Damm im Estetal, Polder im Alten Land, Mündungsschöpfwerk in Cranz).

– Die Rückhaltung von Oberflächenwasser in Wohn- oder Gewerbegebieten und auf  landwirtschaftlichen Flächen ist im gesamten Einzugsgebiet der Este nur mangelhaft realisiert.

Alle Verschlechterungen des Hochwasserschutzes in Buxtehude und dem Unterlauf können in einem ersten Schritt durch ein Rückhaltebecken im Estetal kompensiert werden. Mit weitergehenden Maßnahmen im ganzen Flusseinzugsgebiet, wie sie im KLEE-Projekt geplant werden, können der Sandrückhalt und zukünftige Anforderungen des Klimawandels angegangen werden. Eine weitere Benachteiligung der Unterlieger verdient nicht die Bezeichnung Hochwasserschutz.

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