Neue Schließordnung für das Innere Sperrwerk in Cranz ab 1.5.2015

Am 5.3. tagte in Jork der Bauausschuß der Gemeinde. Unter anderem stand das Thema einer neuen Schließordnung für das Cranzer Sperrwerk auf der Tagesordnung. Von der WSA waren H. Junge und H. Entelmann eingeladen, die einen kurzen Vortrag über Gründe und Inhalte der neuen Schließordnung hielten. Hier die Ergebnisse mit einer kurzen Bewertung von unserer Seite:

• Der Pegel für das Binnenwasser wird ab 1.5. nicht mehr nach dem Pegel Rockstedt an der Oste gesteuert, sondern nach dem Pegel Emmen an der Este (in der Nähe von Moisburg). Dieser Pegel ist inzwischen elektronisch übertragbar und wurde mit dem alten Pegel Rockstedt abgeglichen. Ergebnis: Es gibt keine Beziehung zwischen Rockstedt und Emmen. Die Wassereinzugsgebiete sind offenbar so unterschiedlich wie Rhein und Oder.

Deshalb finden wir: Umso besser, dass das WSA jetzt nach dem  Pegel Emmen steuert. Das kann nur ein Vorteil sein, wenn man das Estesperrweerk nach der Este steuert und nicht nach „fremden“ Flussläufen.

• Bisher lag der maximale Aussenpegel für die Winterschließordnung bei 740cm PNP (das sind 2,40m über NN). Diesen Wert findet man in der ganzen Schließtabelle nicht mehr wieder. Der maximale Pegel liegt jetzt bei 720 cm PNP.

Wir sagen: Auch diese Änderung begrüßen wir ausdrücklich. Ab 720 cm PNP wird es immer für uns kritisch. Die 740 cm PNP waren immer ein Problem, insbesondere im Winter,  wenn höhere  Wassermassen auflaufen und die Schöpfwerksleistung in die Este höher ist. Und in den letzten 10 Jahren hatte sich der ganze Effekt noch  zuzsätzlich verschärft. Wir hatten immer wieder Bilder an die Behörden geschickt, die zeigen, wie die Gärten überfluten oder tiefgelegene Häuser mit dem Fundament bereits im Wasser stehen. Diese Änderung sollte sich aber positiv bemerkbar machen!!

• Für die Sommerschließordnung liegt der maximale Aussenpegel bei 730 cm PNP anstatt 720 cm, also 10 cm höher. Diese Änderung wurde damit begründet, dass man mit einer geringeren Schöpfwerksleistung (25% der Volllast von 13 m3/Sek.) rechnet. Dabei ist die wirkliche Schöpfwerksleistung am Sperrwerk nicht bekannt. Grundsätzlich möchte man von der WSA keinen Pegel in der Este über 720 cm zulassen. Bei den 730 Aussenpegel geht man davon aus, dass durch die verinngerte angenommene Schöpfwerksleistung trotzdem in der Este die 720cm nicht überschritten werden.

Wir meinen: Das sich das WSA die 720cm PNP als Obergrenze gesetzt hat, begrüßen wir. Die Rechnung, dass wegen verringerter  Schöpfwerksleistung trotzdem die 720cm eingehalten werden, ist nur eine Vermutung. Das kann stimmen, muss aber nicht – insbesondere nicht in sehr verregneten Sommern. Deshalb haben wir der Gemeinde vorgeschlagen, hier nach einer längeren Probezeit das WSA wieder zu einer Bauausschusssitzung einzuzladen. Auch halten wir es für sinnvoll, dass sich Entwässerungsverbände und WSA informationsmäßig kurzschließen, um im Falle hoher Schöpfwerkseinleitungen reagieren zu können.

Im Verlaufe der Diskussion haben einige Anlieger noch einmal der WSA großes Lob für ihr vorausschauendes Schließverhalten bei hoch auflaufenden Kettentiden gezollt. Das sehen wir auch so. Um so befremdlicher war die Reaktion des ebenfalls geladenen NLWKN aus Lüneburg. Dieser betonte sinngemäß, dass wir im Überschwemmungsgebiet liegen und deshalb ohnehin keinen Anspruch auf diese frühzeitigen Sperrwerksschließungen hätten. Der Verantwortliche der WSA hätte dieses gegen das Gesetz getan und „auf die eigene Kappe“ genommen. Was sollte denn diese Bemerkung ?????! Es sind immerhin diejenigen Herren des NLWKN, die über den Buxtehuder Planfeststellungsantrag zu entscheiden haben. Diese Rechtsauffassung lässt Böses ahnen.

Wir können nur dazu sagen:
• An keiner Stelle im Umgang mit dem NLWKN hatten wir bisher den Eindruck gehabt, dass es um den Schutz von Menschen vor Hochwasser geht. Hier werden nur Gesetze vollstreckt.
• Mit der Ausweisung als Überschwemmungsgebiet 1973 ist unserer Meinung doch nicht automatisch das Recht verbunden, uns jederzeit als Überflutungspolder benutzen zu können, was man übrigens in 57 Jahren nicht gemacht hat. Mit dieser Rechtsauffassung haben sie aber auch der Stadt Buxtehude den Schutz abgesprochen, denn wenn man das Elbwasser in die Este einlaufen lassen würde, würde auch Buxtehude in Mitleidenschaft gezogen.
• Auch wir als historisch gewachsene Siedlungen in den Deichhufendörfern haben Bestandsschutz und auch für uns gilt das Verschlechterungsverbot. Auch wir müssen vor Hochwassereignissen schadlos gehalten werden, sei es von der Elbe her oder vom Oberlauf. Der politische Wille bei den Landkreisen dazu ist jedenfalls vorhanden. Der NLWKN lebt aber offensichtlich noch in ganz alten Vorstellungen. und sieht für den Schutz von betroffenen Ortslagen offensichtlich keine gesetzlichen Verpflichtung. Wir haben offensichtlich nur Pech, dass wir hier wohnen.

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