Sie sind da: Die neuen Zahlen des NLWKN zur Berechnung der Buxtehuder Überschwemmungsgebiete.

Seit 1 Jahr wartet Buxtehude auf die Neuberechnung der Überschwemmungsgebiete.Jetzt sind sie da!
Sie wurden in der Betriebsausschusssitzung der Stadtwerke am 13.9. vorgestellt.

Betriebsausschusssitzung der Stadtwerke am 13.9. in Buxtehude

Aber warum war diese Neuberechnung eigentlich notwendig?
Dazu ein kleiner Rückblick.
Wir haben immer die alten Berechnungen des NLWKN heftig kritisiert. Ein Gegengutachten der Gemeinde Jork zeigte: Sie waren künstlich überhöht, um die Minideiche zu rechtfertigen und um jede Rückhaltung im Oberlauf als unsinnig erscheinen zu lassen. Unsere Einwendungen (insgesamt über 300) im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens basierte auf diesem Gegengutachten.
Im Mai 2016 wurde in einer weiteren Ausarbeitung des NLWKN (H. Schuermann) klar, dass die alten Zahlen nicht mehr aufrecht zu erhalten waren. Aber die Konsequenzen wurden verschwiegen. Wir schrieben damals: Wie wurden eigentlich die Überschwemmungsgebiete (ÜSGs) gerechnet?  Entweder hat man bei der Berechnung der ÜSGs und der Planfeststellungsgrundlagen jeweils unterschiedlich gerechnet oder man hat alles – inclusive der ÜSGs – auf falschen Grundlagen berechnet.
Im September 2016 eröffnete dann die Buxtehuder Stadtentwässerung: Alles sei falsch und müsse neu gerechnet werden. Stadtentwässerung und Ratsherren äußerten deutlich ihre Verärgerung über diese fehlerhaften Berechnungen.
Wir schrieben damals sofort: Keine Schadenfreude, denn Buxtehude ist übel mitgespielt worden. Aber Hoffnung, dass wir jetzt zu einem Miteinander im KLEE-Projekt kommen.

Jetzt – 1 Jahr später also – liegen die neuen Zahlen vor.

Das Hamburger Ingenieurbüro BWS hat methodisch die alten Fehler vermieden. Wir wollen nicht in technische Details gehen. Nur soviel: Ausgehend vom Hochwasserpegel in Emmen 13 km oberhalb Buxtehudes wurde damals die Hochwasserwelle einfach über die Wassereinzugsgebiete hochgerechnet. Jetzt wurde auch berücksichtigt, dass das Hochwasser entlang der Este ausufert, gebremst wird und sich in der Hochwasserwelle deutlich verbreitert. Dadurch reduziert sich das Hochwasservolumen und die Scheitelhöhe der Hochwasserwelle deutlich. Und als Folge dieser deutlich realistischeren Berechnung reduzieren sich die Überschwemmungsgebiete erheblich.
Für den Lastfall 1 (offenes Sperrwerk bei 100-jährigem Regenereignis) sind nur minimale Überschwemmungsflächen unterhalb des Freibades übriggeblieben. Für den Lastfall 2 (geschlossenes Sperrwerk und 5-jähriges Regenereignis) haben sich die Überschwemmungsflächen sehr deutlich reduziert. Übrig geblieben sind noch Flächen im Bereich der Vivergärten, Die Überschwemmungen treten dann nur im Bereich des Scheitels für kurze Zeiträume auf und die Wasserhöhe liegt dann in den Vivergärten bei ca. 15cm.
Damit ist das Hochwassergeschehen weitgehend unkritisch und die vorläufige Sicherung der großflächigen Überschwemmungsflächen mit den Bauverboten kann weitgehend aufgehoben werden. Die neuen ÜSGs werden ca. Ende November im Ministerialblatt veröffentlicht.
Jetzt wird Buxtehude die neue Situation diskutieren und zu neuen Beschlüssen kommen. Welche, das konnten die verantwortlichen Vertreter auf der Sitzung des Betriebsausschusses noch nicht sagen.

Was ist denkbar?
Die Minideichplanung ist tot. Sie kann auf dieser Grundlage nicht mehr begründet werden.
Wirklich angepasste Maßnahmen für die Vivergärten wären möglich. Dann wären die Auswirkungen für uns nicht so kritisch bzw. würden gegenüber dem eigentlichen Hochwassergeschehen (für uns mit Scheitelhöhen von ca. 3 m ü NN schlimm genug) kaum mehr ins Gewicht fallen.
Wir werden jetzt abwarten, welche Konsequenzen die Stadt Buxtehude aus dieser neuen Situation zieht.
Aber eine weitere wichtige Aussage gibt es trotzdem noch. Diese neuen Berechnungen berücksichtigen nicht die zukünftigen Entwicklungen des Klimawandels.

Jetzt wird die Umsetzung des KLEE-Projektes umso wichtiger. Und wir müssen über die Blockade einiger Oberlieger – Kommunen neu nachdenken. So kann es mit der Estepartnerschaft nicht weitergehen. Nichts bewegt sich, weil sich mehrere Kommunen des Oberlaufs aus dem Hochwasserschutz raushalten wollen. Das können wir so nicht hinnehmen und werden unsere Arbeit als IG- Este auf diesen Punkt konzentrieren.
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