Stellungnahme der BI – Este aus Buxtehude zu den Positionen der SPD Buxtehude

Die SPD – Buxtehude hat auf ihrer Internetseite eine längere Abhandlung über die geplanten Kanalisierungsmaßnahmen der Este veröffentlicht. Sie fordert darin den schnellen Einstieg in das Planfeststellungsverfahren. Unsere Kollegen von der BI- Este in Buxtehude haben dazu eine Antwort verfasst, die wir gerne auch auf unserer Webseite veröffentlichen.

von Dr. Thomas Gönnert, H. Krusche, H. Dr. Marnitz  von der BI- Este in Buxtehude

1. Überflutungsgebiet für alles was unter + 4 m NN liegt, geht nicht, da dann die Anwohner im Alten Land gefährdet sind, in Cranz (HH) liegt z.B. ein ganzer Ortsteil am Estebogen bei etwa 3 m im Vordeichsgelände. Die Hamburger werden sich nicht darauf einlassen, daraus ein Überflutungsgebiet zu machen.

2. Bauverbote und damit Wertverluste gibt es nicht nur im Überflutungsgebiet, sondern auch in der 50-m-Schutzzone hinter Deichen, die mit den geplanten Änderungen viele weitere Grundstücke betreffen werden. Warum sagt die SPD dazu nichts?

3. Das Wasser wird nicht „geordnet durchgeleitet“, sondern man lässt es völlig unreguliert in den Unterlauf fließen, wodurch die Unterlieger im Alten Land überflutet werden. Das ist ein erheblicher Planungsfehler und ignoriert alle Fortschritte des modernen Hochwasserschutzes. Eine Genehmigung dieser Pläne wäre ein schwerer Verstoß gegen die Grundsätze des Wasserhaushaltsgesetzes. Man kann nicht erst die Anlagen in der Innenstadt bauen und dann später in der Fläche Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen. Buxtehude und das Alte Land müssen jetzt gleichzeitig gemeinsam geschützt werden, das kann man nur mit einem Damm im Estetal erreichen!

4. Den Sandeintrag wird man nicht mal so nebenbei in den Griff bekommen, schon gar nicht durch einige Schwellen quer zum Fluss im Estetal. Bei jedem erhöhten Abfluss wären sie sofort wirkungslos, da dann ein Sand-Wassergemisch die Este herabströmt. Um den dort anfallenden Sand abtransportieren zu können, bräuchte man Zuwegungen für Laster und die Passierbarkeit für Fische müsste auch gegeben sein. Wie verträgt sich das mit einem FFH-Gebiet? Der Sandabtrieb wird sich auf Dauer nur durch Verlangsamung des Wasserabflusses in der ganzen Fläche des Flusseinzugsgebietes nachhaltig vermindern lassen und das wird die Aufgabe der nächsten Jahrzehnte sein (Mäander, kleine dezentrale Rückhaltebecken, Versickerungsmulden an versiegelten Flächen, konservierende Bodenbearbeitung etc.). Mit der Verminderung des Sandabtriebs wäre dann auch der Wasserabfluss verzögert, die Gefahr hoher Spitzenwerte bei einem Hochwasser wäre vermindert, eine Reaktion auf zukünftige Herausforderungen durch den Klimawandel wäre  erst dadurch möglich. Der Sand gefährdet die Wirksamkeit der geplanten Anlagen in der Stadt, da der Fließquerschnitt der Este jetzt schon verringert ist..

5. Ein Flutpolder im Alten Land wird nicht für den Damm im Estetal benötigt, sondern ausschließlich für die geplanten Maßnahmen in der Innenstadt, da nur sie den Unterlauf gefährden. Der Damm bewältigt ein Jahrhunderthochwasser und kann auch weit mehr als die Hälfte eines Zehnjahreshochwassers über 36 Stunden zurückhalten, so dass dann die Stauhöhe zwischen den Deichen im Alten Land bei geschlossenem Sperrwerk in Cranz wesentlich niedriger liegt. Rechnet man die Kosten für die Deiche und Mauern in der Innenstadt und den Polder zusammen, so werden sie doppelt so hoch sein, wie die des Dammes. Wenn, wie vorauszusehen ist, die Innenstadtmaßnahmen nicht als Küstenschutz anerkannt werden, müsste die Stadt viel Geld ausgeben, die hohen Unterhaltungskosten für die komplizierten Anlagen noch gar nicht mitgerechnet. Dann muss der Damm gebaut werden.

6. Der Damm läge ausschließlich auf Buxtehuder Stadtgebiet, bei maximaler Rückhaltung wird Moisburg nicht gefährdet, wieso müssen die Moisburger dann in einem Trägerverband sein? Für zukünftige Planungen in der Fläche müssen natürlich alle Gemeinden im Flusseinzugsgebiet zusammenwirken. Die Unterlieger im Alten Land wollen an den Planungen beteiligt werden, was sie unglaublicherweise noch nicht sind!

7. Die Überflutungsdauer hinter dem Damm im Estetal wäre laut Herrn Dipl.-Ing. Rudorffer, der die Planungen für die Innenstadt leitet, 8 bis 10 Tage lang. Das Wasserwirtschaftsamt Stade, welches den Estetaldamm bereits in den 50er Jahren geplant hatte, ging trotz eines höheren Stauvolumens von 4 Tagen aus. Von 2 bis 3 Wochen kann also nicht die Rede sein. Überflutungen sind typische Ereignisse in Flussauen, es wäre verrückt, sie  als schädlich für das geplante FFH-Gebiet zu bezeichnen. Das Gegenteil ist der Fall, Überflutungen, die übrigens relativ seltene Ereignisse sein werden, tragen ganz wesentlich zur Renaturierung des Tales bei. Fauna und Flora werden sich an diese naturnäheren Bedingungen wieder anpassen. Andere Rückhaltebecken werden sogar zeitweise künstlich geflutet (ökologische Flutung), um den Anpassungsdruck in Richtung naturnaher Aue zu erhöhen. Der BUND Stade unterstützt eine Rückhaltung im Estetal.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.