Wenn wir das Sperrwerk früher schließen, verschlickt die Este schneller!!

In diesem Artikel unserer Serie wollen wir uns mit dem unglaublichen Schlick-Argument auseinandersetzen.
Wir haben ja schon viele erstaunliche und unsinnige Argumente gehört. Dieses hat sogar uns noch überrascht.
Als ein Argument gegen eine Änderung der Schließordnung wurde doch tatsächlich ins Feld geführt,  bei einer etwas früheren Schließzeit würde die Este viel schneller verschlicken!!

Uferabbrüche an der Este

Denken wir trotzdem einmal über die Argument nach. Kann da was dran sein?

Dies Argument bedeutet letztendlich, dass alle Schließungen der Este – es waren 206 Vorgänge in 2016 – zur Verschlickung der Este maßgeblich beigetragen haben.

Dazu sollte man erst einmal festhalten:
  • Der eigentliche Grund für die Verschlickung der Este sind die Schlickfrachten aus der Elbe. Das immer schneller  auflaufende Hochwasser  führt riesige Schlickfrachten mit sich. Das Estewasser gleicht mehr einer Schlickbrühe als  klarem Flusswasser.   Das ist der entscheidende Grund und nichts anderes!!
  • Fortlaufend setzen sich Schlickmengen in der Este ab. Das gilt besonders, wenn das Wasser kentert, also beim  Stauwasser stehen bleibt.  Dieses geschieht regelmäßig ca. zweimal am Tag, also vollkommen unabhängig vom Sperrwerksbetrieb.
  • Im Augenblick schließt das Sperrwerk in ca.30% aller Tidevorgänge. Und davon sind nach unserer  Datenauswertung  knapp die Hälfte aller Schließungen unter 1 Stunde. Damit haben wir es hauptsächlich  nur mit kurzzeitigen Schließungen zu tun, denn es wird meistens  nur die Spitze der Tidewelle durch das Sperrwerk gekappt.
    Das wird bei etwas häufigeren Schließungen im Falle einer Änderung der Schließordnung erst recht so sein, denn bei Pegelhöhen von 720-730cm PN schließt das Sperrwerk bereits jetzt regelmäßig.
    Also groß kann der Effekt der zusätzlichen Schlickabsetzung – wenn es ihn überhaupt gibt – ohnehin nicht sein.
  • Einen Einfluss haben aber wahrscheinlich die sehr langen Schließzeiten, wenn ohnehin auch jetzt schon geschlossen wird. Diese Schließungen wird doch wohl keiner infrage stellen?
  • Und wir hätten es bei einer Anpassung der Schließordnung  nur mit einer moderaten, also relativ kleinen Anpassung der Schließzeiten zu tun (nur 10-20cm Pegelhöhe).  (Lesen  sie unseren Artikel weiter unten „Barkassenfahrten
    nach Buxtehude wichtiger!“ vom  29.10.2017.) Die Verlängerung der Schließzeiten liegt  im Minutenbereich und die zusätzlichen Schließungen werden nur  kurzzeitige Schließungen sein.

Stattdessen sollte man folgendes bedenken:

  • Wenn weniger Wasser in die Este eindringt, werden auch  weniger Schlickfrachten  hineinbefördert.
  • Außerdem wird z. Zt. durch den hohen Wasserauslauf die Uferkante unterspült und überspült, sodass große Uferbereiche in die Este gelangen. Teilweise gibt es fortlaufende Uferabbrüche. Diesen Boden, Schlick und  Sand kann besonders in den Außenkurven der Este im Uferbereich sehen.  Auch das trägt zur Verschlickung oder Versandung der Este bei.
    Also:
    Hier werden mit dem „Schlickargument“ die wirklichen Ursachen verschleiert. Das Argument ist offensichtlich an den Haaren herbeigezogen, um noch irgendeinen Grund gegen die Änderung der Schließordnung ins Feld führen zu können, auch wenn er noch so unsinnig ist. Anstatt sich solchen Gedanken hinzugeben, sollten die Verantwortlichen sich lieber fragen, wie sie den Bürgern helfen können.

 

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