Buxtehude sitzt zukünftig im Trockenen…

Bericht von der Informationsveranstaltung zum Hochwasserschutz am 14.November 2013

von Beke und Ulli Sieg

Fast 200 besorgte Anlieger der Este saßen sechs Planern und Vertretern der Stadt Buxtehude, des Kreises Stade und dem Deichverband gegenüber. Der Veranstaltungsraum der Obstbauversuchsanstalt war bis an den Rand der Aufnahmefähigkeit gefüllt. Viele mussten zwar stehen, das tat ihrem Engagement für einen ganzheitlichen, gemeinsamen und gerechten Hochwasserschutz für alle Esteanlieger (incl. Buxtehude) keinen Abbruch. Die Stimmung war aufgeheizt, trotzdem aber sachlich und fair. Kernthema der Veranstaltung war, wie es denn sein kann, dass Rat und Verwaltung von Buxtehude im Alleingang für sich einen Hochwasserschutz nur für ihre Stadt mit einer 100% -Förderung durch Landes-und Bundesmittel ab Mühlenteich als“ Küstenschutz“ durchsetzen will, ohne dessen dramatische Auswirkungen auf die direkten Anlieger der unteren Este wirklich untersucht und bewertet zu haben! Immerhin liegen mehr als 170 Grundstücke mit Wohnhäusern auf oder vor dem Deich.

November normales Hochwasser Kinderspielplatz

Und genau hier liegt das Problem! Die Buxtehuder Planungen unterstellen ganz einfach, so wurde es auch vorgetragen, dass die Soll – Deichhöhe bei uns überall 4m betragen würde und damit bei den anzunehmenden „worst-case – Lastfällen lediglich 3,5m benötigen würden, was sogar einen Puffer von 0,5m darstellen würde. Die Este, unsere Gärten, unsere Keller und Wohnungen würden dabei das Auffangbecken für das Wasser von oben, das heißt von Buxtehude, darstellen.

Hafen im Vorgarten Alltag im Garten

Für uns einfach unakzektabel! Dies hat den Unmut der Versammlung mit vielen Wortmeldungen direkt betroffener Anlieger hervorgerufen. Warum? Diese erleben heute schon bei normalem mittlerem Hochwasser, dass das Wasser in ihren Gärten bis an die Häuser und Kelleranlagen steht. Also sollen wir der Polder als Folge der Buxtehuder Maßnahmen sein? Äußerungen wie „Sie in Buxtehude sitzen künftig im Trockenen, während wir hier absaufen“, waren die berechtigt vorgebrachten Vorwürfe. Mehrfach wurde vorgeschlagen, die Buxtehuder Entscheidungsträger mögen an einem solchen normalen Tag mal nach Estebrügge kommen um die alltäglichen Wasserstände in unseren Gärten zu betrachten. Jeder Planer müsste dabei, zumindest symbolisch, „nasse oder kalte Füße“ kriegen.

Einige Vertreter aus Cranz wiesen darauf hin, dass der Estebogen mit ca. 400 Wohneinheiten im Außendeich der Este liegt –  mit Grundschule und Kita.  Auch diese Bereiche wären bei der jetzigen Buxtehuder Planung Teile des Hochwasserpolders. Man wisse von der Stadt Hamburg, dass bisher keine Buxtehuder Stelle darüber mit Hamburg gesprochen hätte und könne sich auch nicht vorstellen, dass Hamburg hier nicht gegen das Planfeststellungsverfahren einschreite.

Volles Haus IMG_3846

 

Unser Sprecher der IG-Este, Rainer Podbielski, brachte unsere problematische Situation, die gedankenlose und egoistische Planung der Buxtehuder sowie deren dramatischen Auswirkungen auf uns Esteanlieger unter tosendem Beifall nochmals deutlich auf den Punkt. Wir wollen einen ganzheitlichen Hochwasserschutz und halten einen Damm oberhalb Buxtehudes für alle für die beste Lösung. Und vor allem, wir wollen eine gemeinsame, abgestimmte Planung und keine Alleingänge. Auch verstehen wir, dass  Buxtehude ebenfalls einen effizienten Hochwasserschutz braucht. Wir an der Untereste aber auch! In der Veranstaltung wurde besonders deutlich, dass der Deichverband zweite Meile, vertreten durch Oberdeichrichter Hampe, nicht in der Lage war, die tatsächlichen Deichhöhen im Verlauf der Untereste zu nennen! Voraussichtlich können diese erst nach Auswertung der Messungen bis Ende des Jahres genannt werden. Also eine Buxtehuder Hochwasserplanung mit Zustimmung des Deichverbandes ohne  wirkliche Kenntnis der Deichhöhen in unserem Bereich? Unglaublich! Herr Hampe hat sich damit den Unmut  der vielen Grundstückseigentümer zugezogen, die den Deichverband mit Beiträgen finanzieren und der uns alle, sowohl die Buxtehuder als auch uns Altländer vor Hochwasser schützen soll und schützen muss. Davon war an diesem Abend jedoch nichts zu spüren. Die Vertreter aus Buxtehude, des Landkreises, des Deichverbandes sowie des Landesbetriebes wollten oder durften keine Bereitschaft für ein Umdenken oder zumindest für ein Nachdenken zeigen.

Vertreter bleiben gelassen IMG_3852

Und genau hier liegt abermals der konstruktive Ansatz der IG-Este,  in Gespräche mit Buxtehude und den übrigen Oberbehörden einzutreten, um eine gemeinsame, abgestimmte und wirkungsvolle Planung für alle zu entwickeln.

Der Stadtbaurat Michael Nyveld sagte zwar sehr vorsichtig, ja, er könne sich Gespräche vorstellen, jedoch sei er weisungsabhängig vom Rat der Stadt Buxtehude. Dennoch zeigte zumindest er ein geringes Mindestmaß an Verständnis für unsere Situation. Dennoch, der Countdown für die Buxtehuder Planung für das Planfeststellungsverfahren läuft auf Hochtouren. Der Start des Verfahrens stünde unmittelbar (!) bevor, und neben Einwendungen der Betroffenen bleibt bei deren Ablehnung nur noch der Klageweg! Und dies alles geschieht  vor dem Hintergrund der abgelieferten erforderlichen ca. 3500 Unterschriften des Bürgerbegehrens in Buxtehude sowie einer angekündigten Informationsveranstaltung am 2. Dezember im Schulzentrum Nord in Buxtehude? Sollte sich dies alles zu einer Farce entwickeln trotz Bürger-und Anliegerproteste? Wir werden sehen!

Alles in allem war es aus Sicht der IG-Este und der Teilnehmer eine gute und wichtige Veranstaltung zur nochmaligen Sensibilisierung zum Hochwasserschutz an unserer Este. Entscheidend wird jetzt sein, die Fraktionen im Gemeinderat und die Verwaltung von Jork für unser Anliegen zu gewinnen und damit ganz offiziell  in das egoistische und einseitige Verfahren in Buxtehude formal und mit Nachdruck einzugreifen. Alle 200 Teilnehmer der Informationsveranstaltung sind mit dem Eindruck nach Hause gegangen:

So darf man nicht mit uns umgehen! Jetzt müssen alle Register gezogen werden!

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